Leserfrage von Helga H.:
Durch Immobilienverkauf verfüge ich über 500.000 Euro. Wie soll ich das Geld anlegen? Meine Vorstellung wäre: 100.000 Euro in Gold, 100.000 Euro in Bundesanleihen, vom Rest sollte ein Teil jederzeit verfügbar sein.
Antwort von Franz Haimerl
Zuerst eine Bemerkung: alle Anlagen die Sie erwähnen – und auch diejenigen, die wir ergänzen – sind quasi täglich liquidierbar und somit für Sie verfügbar.
Da wir Ihr Alter, Ihren Vermögenshintergrund und Ihre Erfahrungen und damit verbunden Ihren Anlagehorizont nicht kennen, können wir nur eher grundsätzlich antworten.
Gold ist sicher die „Währung“ für den Fall der Fälle, wenn also z.B. der Euro scheitern und gleichzeitig Schuldenschnitte durchgeführt werden sollten. Kurz bis mittelfristig ist das unserer Ansicht nach nicht zu erwarten. Wir würden physisches Gold oder auch mit realem Gold gedeckte Fonds bzw. ETF‘s (Exchange Traded Fonds) für dieses Investment empfehlen. Gold ist sozusagen eine Versicherung gegen unkalkulierbare Risiken, Dividenden oder Zinsen wirft es nicht ab. Der Goldpreis ist sehr stark „angstgeprägt“ und somit für uns kein Investment, in das wir wegen erhoffter Preissteigerungen investieren würden. Wie gesagt, man sollte es „als letzte“ Währung begreifen. Wenn man das tut, spricht absolut nichts gegen den Kauf von Gold.
Anders verhält es sich mit Bundesanleihen. Egal ob mit direkten oder indirekten (über Investmentfonds) investierten Geldern. 5jährige Bundesanleihen rentieren derzeit mit minus 0,49% p.a.!!! Sie bekommen also weniger zurück, als Sie investiert haben. Während der Laufzeit müssen Sie sich vermutlich auf enorme Kursverwerfungen einstellen, zumindest für den Fall, wenn die Zinsen wieder steigen sollten. Enorme Kursverluste wären die Folgen. Sie haben dann zwar eines der sichersten Investments der Welt, nur leider mit Negativzinsen. Macht das für einen privaten Anleger Sinn? Wir meinen Nein! Generell gilt, dass Zinserträge nur noch verdient werden können, wenn Sie bereit sind, Risiken einzugehen. Risiken übrigens, die es vor einigen Jahren in dieser Form noch nicht gab.
Was bleibt also? Aktien oder Rohstoffe? Eigentlich heißt die Antwort auf Ihre Frage, dass Sie eine breite globale Streuung in die unterschiedlichsten Anlageklassen (Aktien, Rohstoffe, Gold und auch Anleihen) anstreben sollten. Keine Neuigkeit, aber in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Wir glauben, dass das für einen durchschnittlich informierten Anleger nur über Fonds sinnvoll lösbar ist. Erstens wegen der erreichbaren großen Streuung Ihres Vermögens in die globale Welt und zweitens, weil aktives Management wichtiger geworden, als jemals zuvor. Wir sind uns bewusst, dass kostengünstigere ETF’s im Anleihen- oder Aktiensegment ein äußerst sinnvolles Investment in die Anlagemärkte sein können. Allerdings nur dann, wenn hinter Ihrem Investmentgedanken eine klare Meinung steht. Ein Beispiel zu Anleihen – ETF’s: über 80% aller europäischen Anleihen im „Barclays Euro Aggregate Corporate Bond Index“ rentieren derzeit zwischen 0 und 2% mit klarem Trend zu niedrigeren Renditen. Eine winzige Zinserhöhung würde diesem Markt starke Kursverwerfungen bringen. Ein aktiv gemangter Anleihenfonds könnte dieses Problem u.U. lösen, indem er eben nicht den Markt kauft, sondern auf Grund seiner Analyse eine Auswahl vornimmt, um die Risiken beherrschbar zu machen.
Außerdem warnen wir davor, von Vergangenheitsergebnissen auf die zukünftigen zu erwartenden Ergebnisse zu schließen. Wir haben keine „normalen“ und rationalen Anlagemärkte, sondern äußerst komplizierte durch Notenbanken beeinflusste Kapitalmärkte, die nicht einmal ansatzmäßig mit den vergangenen Jahrzehnten vergleichbar sind. Chancen und Risiken haben sich außerordentlich verändert. Außerdem gibt es heute keinen Zins für geparkte Gelder mehr, anders als vor z.B. 5 Jahren! Auch Fondsmanager haben damit natürlich Probleme!
Eine finale pauschale Antwort auf Ihre Frage könnte somit sein, sich mit erstklassigen vermögensverwaltenden, globalen Mischfonds zu beschäftigen. Auch hier empfehlen wir Ihnen, sich nicht nur für einen Fonds zu entscheiden, sondern mehrere in Ihr Depot zu legen. Eine umfangreiche Vorinformation über die Produkte ist unerlässlich. Fazit: einen risikolosen Zins gibt es nicht mehr, dafür aber einen risikolosen Verlust bei Investments in „Nullprozenter“. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Überlegungen.