Leserfrage von Horst W.:“Meine Frau und ich bekommen aus einem Verkauf einen Geldbetrag in siebenstelliger Höhe, den wir in Immobilien investieren wollen. Bis geeignete Objekte gefunden sind, soll das Geld auf einem Bankkonto geparkt werden. Welche Anlagearten empfehlen Sie für einen Zeitraum von voraussichtlich einem bis anderthalb Jahren, die einlagengesichert und vom möglichen Bankencrash verschont sind, andererseits aber das Geld kurzfristig verfügbar ist?“

Antwort von Franz Haimerl:

Sorge um Sicherheit

Wenn Sie Ihr Kapital auf Bankkonten mit dem Hinweis auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken parken möchten, sollten Sie zwei Dinge beachten. Erstens: Die gesetzliche Sicherung je Kunde der „Entschädigungseinrichtung deutscher Banken“ sichert Einlagen bis 100 000 Euro. Darüber hinaus gibt es zweitens eine freiwillige Einlagensicherung der privaten Banken, die dort ansetzt, wo die gesetzliche Sicherung aufhört, also bei Beträgen über 100 000 Euro. Die Höhe dieser Sicherung orientiert sich am haftenden Eigenkapital und damit an der Größe einer Bank. Diese Sicherung kann durchaus einen siebenstelligen Betrag – wie von Ihnen erwähnt – absichern. Bitte erkundigen Sie sich deshalb bei Ihrer Bank nach der Gesamthöhe des gesicherten Betrages.

Übrigens: Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben eigene Sicherungssysteme, nach denen Sie sich im Bedarfsfall ebenso erkundigen sollten.

Nun zum zweiten Teil, welche Alternativen es gibt. Investmentfonds (Aktien, Anleihen usw.) sind wie die sogenannten ETFs (Exchange Trading Fonds) Sondervermögen und bleiben von einer Pleite einer Bank verschont. Kursbewegungen allerdings werden Sie in einem Krisenfall natürlich trotzdem haben, egal ob Aktien oder Anleihen. Insofern spielt die Bonität einer Bank bei diesen Produkten in aller Regel keine Rolle.

Wie Sie sicherlich wissen, ist der von Ihnen erwähnte mögliche Anlagezeitraum sehr kurz. Eine Investition in die Aktienmärkte ist deshalb aus unserer Sicht nicht empfehlenswert, selbst wenn wir die Marktaussichten positiv beurteilen würden. Allerdings befinden sich auch die Anleihenmärkte in einem äußerst schwierigen Marktumfeld. Größere Kursschwankungen können auch hier nicht ausgeschlossen werden. Ein gutes Beispiel für eine starke Kursbewegung (auch bei deutschen und amerikanischen Staatsanleihen) war die Zeit ab dem 22. Mai 2013. Das plötzlich im Markt stark diskutierte Zinserhöhungsszenario – herauf beschworen vom damaligen Notenbankpräsidenten der USA – hat zu enormen Marktverwerfungen im Bereich nahezu aller Anleihen-Segmente geführt.

Was also tun? Wie Sie an unserer Argumentation merken, gibt es keine simple Antwort auf Ihre Frage. Wenn Sie den Einlagensicherungssystemen vertrauen und bonitätsstarke Banken wählen, ist für diese kurze Zeit eine Festgeldanlage gestaffelt nach Fälligkeitsterminen die für Sie kalkulierbarste Entscheidung. Sollten Sie zumindest nach etwas Rendite Ausschau halten, kommen Sie am Anleihenmarkt nicht vorbei und werden gezwungen sein, eine gewisse Volatilität (Schwankungsbreite) auszuhalten.

Es gibt durchaus interessante Anleihen-Produkte, die auch für kurze Laufzeiten eine gewisse Perspektive bieten (auf Grund der kurzen Laufzeit unbedingt auf die laufenden Kosten der Anlage achten!). Hier die klare Empfehlung von uns, sich bei Bedarf intensiv mit aktiv gemanagten Fondslösungen zu beschäftigen. Das ist kein Spielfeld für Einzelentscheidungen im Bereich der Anleihen und unserer Ansicht nach auch nicht für ETFs.