Sicherlich ist Ihnen die provokante These von Dr. Jochen Felsenheimer noch in Erinnerung. Besser eine Ravioli-Dose im Garten vergraben, als den Goldklumpen. Im Ernstfall haben Sie mehr davon, so seine klare Aussage. Mit klaren Worten hat er nicht gespart, der promovierte Volkswirt: Egal ob 100% Erbschaftssteuer oder die deutliche Überbewertung von Aktien.

Gerade letztere Aussage hat uns und auch Volker Schilling sehr überrascht und wir hätten gerne länger mit ihm über dieses Thema gesprochen. Tatsächlich ist auch Volker Schilling (wir auch) gegenüber dem Aktienmarkt alles andere als skeptisch. Im Gegenteil: Er glaubt, dass wir vor einem Ausbruch aus einer sehr langen Seitwärtsphase stehen. Getragen wird dies aus seiner Sicht eben nicht von Übertreibungen oder Euphorie! Volker Schilling begründet das wie folgt:

 

scn16084188

Der Blick aus der Vogelperspektive zeigt, dass wir nach einer 20-jährigen Seitwärtsphase (1960-80) eine fast 20 –jährige Anstiegsphase (1980-2000) im Aktienmarkt hatten. Seit 2000 ist die deutsche Börse unter hohen Wertschwankungen 15 Jahre wieder in einer Seitwärtsphase gefangen gewesen. Erst 2015 sind wir aus dieser langen Seitwärtsphase ausgebrochen und haben damit den Wendepunkt eines langfristig neuen Trends eingeleitet. Besonders in solchen Umbruchphasen ist es nichts ungewöhnliches, dass der Markt erst seine Richtung finden muss. Das andauernde pendeln des Dax um die 10.000 Punkte Marke zeigt dies eindrucksvoll. Sobald die Marktteilnehmer diesen neuen Trend annehmen, kommt es aus Sicht von Volker Schilling zu starken Aufwärtsbewegungen bei deutschen Aktien. Der Auslöser dafür kann vielfältig sein und ist aus heutiger Sicht noch nicht bestimmbar. Allerdings sprechen sehr viele Fundamentaldaten dafür.

Er hat uns gebeten, Ihnen diese Argumente zukommen zu lassen, um seine konträre Meinung zur Aussage von Dr. Felsenheimer zu untermalen.

Ab hier zitieren wir Herrn Volker Schilling:

Wir haben kein Rekordhoch beim Dax! Der Dax ist ein Performanceindex, das heißt er errechnet sich inklusive aller ausgeschütteten Dividenden. Das Hoch wurde am 31. März 2000 erreicht. Damals erreichte der Dax Kursindex 6266 Punkte. Aktuell steht er bei 4929 Punkte. Folglich liegen wir 1.337 Punkte vom Hoch im Jahr 2000 entfernt.Das entspricht 27%!  Steigt der Dax also auf ein neues Rekordhoch, dann wird der Performanceindex, der jeden Tag über die Bildschirme tickert, bei knapp 13.000 Punkten stehen. Erst dann hätten wir ein neues Rekordhoch!

Dieses Rekordhoch wäre dann auch völlig gerechtfertigt. Der Dow Jones beispielsweise eilt schon seit längerer Zeit von Rekordhoch zu Rekordhoch, obwohl er ein Kursindex ist. Würden wir diese Lücke schließen, so müsste der Dax weit über die 15.000 Punkte schließen. Aber sind wir nicht ohnehin schon zu teuer bewertet?

Auch aus bewertungstechnischer Sicht geht das in Ordnung

Deutsche Unternehmen exportieren und verdienen so gut wie nie zuvor. Die KGVs sind weder überhöht noch weit vom längerfristigen Durchschnitt entfernt! Da ist noch Luft nach oben. Durch das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Deutschen Aktienindex wird der Index-Punktestand mit den Gewinnen der im DAX gelisteten Unternehmen ins Verhältnis gesetzt. In den vergangenen 30 Jahren konnte dabei ein durchschnittliches DAX-KGV von 19 gemessen werden. KGVs unterhalb dieser Marke signalisieren aus Sicht der Bilanzanalyse eine günstige Bewertung deutscher Aktien, während darüber von einer Überbewertung des Aktienmarkts gesprochen werden kann. So lag beispielsweise kurz vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 das Dax KGV bei über 30. Aktuell stehen wir bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12!

CHART DAX Kurs-Gewinn-Verhältnis

scn16083978

 

Zugegeben, dass ist nicht mehr so günstig wie 2011, als wir bei einem KGV von 7,5 lagen, aber immer noch weit unter dem langfristigen Durchschnitt von 19. Von Übertreibung oder gar teuren Aktien überhaupt keine Spur. Nach der aktuellen Konsolidierung ist dies eher ein klarer Kauf für deutsche Aktien.

Zu guter Letzt

Es gibt sicherlich viele Gründe alles an der Börse negativ zu sehen, aber aus meiner Sicht mehr Gründe, dass die Crashpropheten auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Hier nur meine kleine Positivliste:

  • Die Weltwirtschaft wächst im Jahr 2016 geschätzt um 2,8% und 2017 um 3%.
  • Der Anteil der problembehafteten Staaten am globalen BIP liegt gerade einmal bei  5%.
  • Der Anteil der Eurozone am globalen BIP liegt bei lediglich 14%.
  • Der Anteil der Schwellenländer am globalen Wachstum wird 2016 bei 50% liegen.
  • Die durchschnittlichen Wachstumsraten in den Schwellenländern liegen bei 5%.
  • Das Gewinnwachstum der 500 größten US Unternehmen liegt inzwischen wieder über Vorkrisenniveau.
  • Gesunde Bilanzen, rückläufige Verschuldungsgrade, steigende Cashquoten, ordentliche Dividendenrenditen, die höher liegen als die Verzinsung der 10jährigen Staatsanleihen.
  • Ein Schwacher Euro ist das beste Konjunkturprogramm für die Eurozone.
  • Viele Maßnahmen zur Lösung der Staatsschuldenkrise erhöhen gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Exportwachstum in vielen europäischen Ländern. Selbst die angeschlagenen Peripherieländer Lateineuropas steigern den Export und reduzieren die Importe. Folge: sinkende Handelsbilanzdefizite.
  • Deutschlands Ex- wie Importe werden in diesem Jahr weiter wachsen. Der DIHK geht für 2017 sogar von einem Wachstum von jeweils 6% aus. Das wäre ein neuer Rekordwert in der Außenhandelsbilanz.
  • Sobald Lateineuropa wieder Tritt fasst wird der deutsche Export zusätzlich beflügelt. Immer noch gehen über 50% deutscher Exporte in den EU Raum.
  • Europa wird im kommenden Jahrzehnt einer der Treiber für Wirtschaftswachstum, da Reformmaßnahmen traditionell 3-5 Jahre brauchen, um zu greifen.
  • Die Risikoprämien für Aktien sind so hoch wie nie, werden aber schlagartig entweichen, wenn sich Lösungen der Staatsschuldenkrise abzeichnen.
  • Durch die katastrophale Entwicklung der Aktienmärkte seit dem Jahr 2000, sind diese nicht nur in Ungnade gefallen, sondern haben mehrere Generationen an enttäuschten Anlegern hinterlassen. Dies ist der beste Nährboden für eine kommende Rally.
  • Mit dem verlorenen Aktienjahrzehnt haben die Börsen aber auch die Übertreibungen der Achtziger und Neunziger vollständig abgebaut und notieren inzwischen sogar unterhalb langfristiger Durchschnitte.
  • Ein nie dagewesener Pessimismus gegenüber Aktien manifestiert sich in nie gekannter Kassenhaltung bei negativer Realverzinsung und Anleihemärkten mit nie dagewesenen Niveaus.
  • Institutionelle Anleger werden ihre Aktienquoten in den kommenden Jahren deutlich steigern. Sie sind dazu gezwungen, denn inzwischen besteht akuter Handlungsbedarf. Es entstehen derzeit gefährliche Lücken zwischen Pensionsverpflichtungen und –zusagen und real erzielten Erträgen. Einziger Ausweg: Die Aktienanlage
  • Aktienquoten werden wieder fester Bestandteil einer langfristigen Anlagephilosophie bei institutionellen Investoren und keine kurzfristige Beimischung in konjunkturellen Hochphasen.
  • Wenn alle Flexibilität predigen, könnte die Stunde von buy and hold schlagen.
  • Aktien sind die derzeit einzige Anlageform, die die eingegangenen Risiken (Volatilität) in den kommenden Jahren ausreichend entschädigen wird. Noch nie war Risiko so günstig zu haben und Sicherheit so teuer.

Ich habe Ihnen bei meiner Vorstellung gesagt, dass man bei Experten vorsichtig sein sollte, denn sie machen die gleichen Fehler wie alle anderen Anleger auch. Experten sind aber wichtig, damit Anleger sich selbst ein Bild über den Zustand der Kapitalmärkte formen können. Börse funktioniert nur, wenn es Käufer und Verkäufer gibt, deshalb braucht es unterschiedliche Wahrnehmungen der gleichen Situation.

Ich werde Dr. Jochen Felsenheimer meine Ausführungen zukommen lassen und bin gespannt auf seine Antworten.“

Zum Schluss ein Wort in eigener Sache: Wir bedanken uns noch einmal für Ihr Kommen und wissen es wohl zu schätzen, wenn Sie sich durch den Abendverkehr kämpfen müssen, um unserer Einladung zu folgen. Wir hoffen, dass Sie zufrieden waren mit dem Ablauf der Veranstaltung und freuen uns auf ein Wiedersehen!