Herbert R.: „Im August 2003 haben wir eine englische Kapitallebensversicherung bei Clerical Medical Investment Group Limited, Maastricht abgeschlossen.

Zwischenzeitlich erfuhren wir, dass CMI etliche Klageverfahren bestreiten musste. Es ist uns zwar bekannt, dass es sich dabei um Verträge mit Einmaleinzahlungen handelte – trotzdem verunsichert uns diese Sachlage sehr. Jetzt haben wir auch noch ein Schreiben der CMI erhalten, worin eine Umfirmierung in die Scottish Widows-Unternehmensgruppe anberaumt wird. Da diese Kapitallebensversicherung ein ganz elementar wichtiger Baustein in unserer Rentenvorsorge ist, bitten wir Sie uns eine Einschätzung zu geben.“

Antwort von Franz Haimerl:

 

Sorgen wegen englischer Lebensversicherung

 

Wie Sie richtig schildern, gibt es einen erheblichen Unterschied bei Policen mit Einmalzahlungen (die in der Regel im Zusammenhang mit sogenannten fremdfinanzierten Renten stehen) und Policen mit regelmäßigen monatlichen Einzahlungen. Die in den Medien reihenweise aufgeführten Klagen gegen die CMI betreffen überwiegend Policen mit Einmalzahlungen. Die rechtlichen Veränderungen bedingt durch die Umstrukturierungen der CMI im Zusammenhang mit der Scottish Widows können wir letztendlich nicht beurteilen. Insbesondere die eventuell im vertraglichen Bereich durch Anpassungen kommenden rechtlichen Auswirkungen haben wir im Rahmen dieser Antwort nicht explizit geprüft. Unseres Wissens aber verändert sich die Rechtslage der Versicherungsnehmer durch die Umstrukturierung der Gesellschaft nicht! Garantien und ähnliches bleiben damit unverändert. Eingereichte Widersprüche von Kunden der CMI wurden erst in den letzten Tagen durch einen Rechtsspruch des High Court abgelehnt. Die Umstrukturierung der Gesellschaften ist somit genehmigt.

Bemerken möchten wir noch, dass sowohl die CMI, als auch Scottish Widows die gleiche Mutter haben, nämlich die Lloyds Banking Group. Unter dieser Gesellschaft werden somit Konsolidierungen umgesetzt. Und über diese Veränderungen informiert die Gesellschaft die Kunden. Auch in Deutschland finden Umstrukturierungen zum Teil erheblichen Umfangs im Banken- und Versicherungsbereich statt.

Falls Sie überlegen sollten, im Internet aufgeführte Anwaltskanzleien einzuschalten, warnen wir Sie ausdrücklich vor „Bauernfängern“. Nicht alles was hier argumentiert, ist in Ihrem Interesse unterwegs! Gerade deswegen raten wir Ihnen eindringlich, die kommenden vertraglichen Veränderungen noch einmal zu hinterfragen, damit Sie sich selber ein Urteil bilden können.

Doch nun zu den Vertragsfragen: Ob Ihr Vertrag Ihre Rentenerwartung erfüllen wird, kann zum heutigen Zeitpunkt niemand sicher beantworten. Dies gilt übrigens genauso für deutsche Kapitallebensversicherungen. Die Abschlusskosten Ihres Vertrages sind inzwischen bezahlt und wurden dem Vertrag in den ersten Jahren belastet. Auch deshalb ist die Entwicklung für Sie noch nicht zufriedenstellend. Der Lebensversicherungsmantel bietet Ihnen zudem steuerliche Vorteile, die es bei Neuabschlüssen nicht mehr gibt. Diesen Punkt möchten wir herausstellen.

Auf Grund der Anlagestruktur des „EUR Pools (Serie 2)“ liegt jedenfalls ein deutlich höherer durchschnittlicher Aktienanteil vor, als dies bei deutschen Kapitallebensversicherungen der Fall ist. In den letzten fünf Jahren lag dieser bei zirka 50 Prozent durchschnittlich. Die Renditeerwartung liegt unserer Ansicht nach deshalb deutlich höher, als bei deutschen Kapitallebensversicherungen (damit sind diese Verträge am ehesten vergleichbar).

Wie wir der Produktinformation des dem Vertrag zugrunde liegenden Anlagepools der Homepage der CMI entnehmen, liegt die Rendite der letzten fünf Jahre bei durchschnittlich 6,2% vor diversen Steuern, allerdings nach Kosten. Dies spiegelt nicht exakt die Vertragsrendite wieder, die aber könnten Sie ganz einfach durch einen Vergleich der letzten Jahresberichte zu Ihrem Vertrag ermitteln.

Ihr Vertrag sollte Bestandteil einer breit gestreuten Anlageplanung für Ihr Alter sein. Dazu gehören zum Beispiel Immobilien, Aktien, Anleihen, liquides Kapital und auch Verträge dieser Art. Sich nur auf eine Anlageform zu verlassen, halten wir deshalb grundsätzlich für problematisch. Vertrauen sollten Sie somit auf eine breite Streuung Ihrer Sparvorgänge. Dies unterstellt, raten Ihnen zur Weiterführung des Vertrages.