Christine O.: „Für unser Enkelkind möchten wir Geld anlegen. Unsere Sparkasse rät zu einem Bausparvertrag und zu einer Unfallversicherung mit garantierter Beitragsrückerstattung nach 18 Jahren. Für beide Verträge ist eine Einmal-zahlung von 10 000 Euro vorgesehen. Was halten Sie davon? Wir haben eine kleine Rente, die zum Leben reicht. Zusätzlich haben wir einen größeren
Betrag für Altenheim oder Pflege bei der Bank zurückgelegt. Der bringt aber so gut wie keine Zinsen. Gibt es eine andere Möglichkeit?“
Antwort von Franz Haimerl:
Fürs Enkelkind an Aktien denken
Bei Ihrem Enkelkind gehen wir von einem Anlagehorizont mindestens bis zum 18. Lebensjahr aus. Der Bausparer bietet Ihnen „sichere“ (aber real negative) Zinsen in der Ansparphase und wenn das Kind älter ist eine mögliche staatliche Förderung. Die Zinsen sind nahe dem Nullpunkt, die evtuell staatliche Förderung des Vertrages ist auf lange Sicht nicht sicher. Zur Unfallversicherung mit garantierter Beitragsrückerstattung: Eine Garantie über einen so langen Zeitraum ist nicht sinnvoll, die Kapitalanlage für den zurückgelegten Teil des nicht zur Risiko-Abdeckung benötigten Teils der Einmaleinzahlung ist nicht transparent und wäre zumindest exakt zu hinterfragen. Über den Unfallver-sicherungsschutz (besonders Invalidität) kann man aber durchaus nachdenken. Aber hier gilt es, Preise zu vergleichen – denn die Unterschiede sind enorm.
Beide Angebote Ihrer Bank sind in unseren Augen eindeutig provisionsorientiert motiviert und für einen Kapitalaufbau für das Enkelkind nicht zielführend. Was also tun? Unser eindeutiger Rat geht in Richtung Aktiensparen. Über eine so lange geplante Laufzeit relativieren sich die Aktienmarkt-Risiken erheblich und das Renditepotenzial ist hoch. Selbst bei durchschnittlichen, weltweit investierenden und aktiv gemangten Aktienfonds lagen die Renditen (nach regulären Kosten) bei durchschnittlich rund sechs Prozent im Jahr. Die höchsten Einbrüche in den letzten 20 Jahren lagen übrigens sowohl beim Vergleichsindex, als auch bei den Fonds durchaus bei 40 bis 50 Prozent – es ist deshalb enorm wichtig, rechtzeitig an ein „Ablaufmanagement“ zu denken. Der Aktien-investmentplan sollte global investieren, die globalen Trends im Auge haben und in besonderen Situationen auch eine gewisse Flexibilität bei seinen Investitionsquoten haben, um die oben genannten Verlustphasen abzumildern. Wenn Sie jetzt noch auf die entstehenden Kaufkosten bei der Fondsauswahl achten, steht einer guten finanziellen Ausstattung Ihres Enkelkindes nichts mehr im Weg.
Zu Ihrer Frage bezüglich Ihrer Rücklagen: Es gibt keine Möglichkeit, einen Mehrertrag zumindest oberhalb der Inflationsrate zu erzielen, der nicht mit dem Eingehen von Risiko verbunden ist. Risiko ist per se nichts Negatives, es muss Ihnen aber bewusst sein. Selbst konservative Vermögensverwaltungslösungen beinhalten inzwischen ein nicht unerhebliches Schwankungsrisiko. Wir können Ihnen an dieser Stelle keine konkrete Lösung vorschlagen, nur so viel: Anleihen und Aktien, eventuell etwas Gold. Eine hohe Qualität in Bezug auf die investierten Unternehmen, eine globale Streuung der Investments.