Zuerst ein Vorwort von uns: wir haben uns bewußt noch über das Wochenende Zeit gelassen, um Sie nun kurz zu informieren. Wie wir gesehen haben, haben sich die sehr optimistischen Wahlprognosen vom letzten Donnerstag quasi über Nacht verändert. Die Börsen am Vortag des Referendums haben sehr positiv reagiert, weshalb wir die sehr harten Kursrückgänge am Freitag morgen eher für eine technische Gegenreaktion halten. Unabhängig vom weiteren Verlauf der Aktienmärkte, denn die sind im Moment nicht seriös vorhersagbar. Insbesondere auch der gestrige Tag ist kein guter Börsentag für Aktien. Heute sieht es freundlicher aus.

Bestimmte Anleihenmärkte fungierten am Freitag und auch gestern zum wiederholten Male als „Sicherheitshafen“ und reagierten mit zum Teil deutlichen Kursgewinnen. Das ist wichtig, denn viele der von uns eingesetzten Mischfonds halten Anleihen, auch Absicherungen auf die Aktienmärkte und Cash als taktische Anlageklasse.

Unser Fazit gleich hier vorab: mittelfristig werden sich die wirtschaftlichen Kerndaten durchsetzen…und die sind deutlich besser, als die momentan von extremen Stimmungen und Ängsten getriebenen Aktienmärkte.

Wir haben bereits am Freitag mit einer Reihe von wichtigen Fondsgesellschaften telefoniert, um deren Reaktion abzufragen und auch deren Pläne für die nächsten Tage. Hier eine kurzer Report von einigen Ihnen bekannten Investmentgesellschaften. Bitte sehen Sie uns die im Tickerstil verfassten Kommentare nach:

Black Rock
Brexit ist schlecht für GB: Das Land wird (könnte) wirtschaftlich in Schwierigkeiten kommen. Schottland und Nordirland könnten Referenden für Ihre Abspaltung von GB vorantreiben. Weitere Auswirkungen zeigen sich erst in den nächsten Wochen.

Die Spanienwahl am Sonntag brachte auch kein klares Bild und wird vermutlich eine schwierige Regierungsbildung ergeben.

Der US Wahlkampf wird durch Brexit schärfer geführt werden.

Ethna
Ethna Defensiv ist neutral gewichtet, der Brexit hat keine Auswirkungen auf den Fond! Ethna Aktiv hat über 50% USD Gewichtung, daher eher positive Entwicklung möglich. Aktienquote wird evtl. von aktuell ca. 10% auf 15 – 20% erhöht. Ethna Dynamisch hat je 20% USD Aktien und Anleihen. Aktienquote bei 65%. Wird etwas fallen aber noch keine genaue Abschätzung wie viel. Weitere Stellungnahme folgt in den nächsten Tagen.

TBF
In den Aktienmandaten hat TBF (4Q Fonds) in fast allen Mandaten entweder erhöhte Cash Positionen von bis zu 17% oder teilweise erhebliche Futures Absicherungen. Aufgrund der schwerlich abzuschätzenden Folgen der Abstimmung sieht das Management weiter die Notwendigkeit das Risiko adjustieren zu müssen.

DWS kurzfristige Auswirkung (3 Monate)
Formal gestartet werden die Austrittsverhandlungen, sobald Großbritannien seinen Austritt aus der EU nach Artikel 50 der Verträge von Lissabon erklärt. Dabei dürften sich die europäischen Vertreter als harte Verhandlungspartner erweisen, um antieuropäischen Strömungen in anderen EU-Mitgliedsstaaten entgegen zu treten. Die Bank of England scheint auf starke Marktreaktionen vorbereitet, nicht zuletzt dank der Vereinbarungen mit der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB). Mittelfristig könnte sie – falls erforderlich – mit Leitzinssenkungen und dem erneuten Ankauf von Staatsanleihen (Quantitative Easing) reagieren.

Flossbach
58% Aktien, Gold 13-14%. Das Management wird die Marktverwerfungen für selektive Nachkäufe nutzen. Gehen von einer Überreaktion der Märkte aus, sind aber noch nicht klar, was dies für langfristige Folgen haben könnte.

CARMIGNAC
Hat am Freitag so gut wie nicht nachgegeben und die Aktienquoten wurden erhöht. Auch hier bleibt das Management extrem wachsam und ist zu schnellen Handlungen bereit.

Loys
War vorbereitet, auch in den Aktienmandaten. Bankaktien wurden z.B. komplett abgebaut. Denkt, dass die Einflüsse auf die US Börsen relativ gering bleiben. Fonds von M&G, BHF, Nordea haben ebenfalls größtenteils Entwarnung für Ihre Mischfonds signalisiert. Auch hier werden weitere Schwächephasen für Nachkäufe in Erwägung gezogen.

Fazit:
Die Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar, da dies frühestens in den nächsten Monaten klarer sein wird. Brexit kam für die meisten Gesellschaften etc. überraschend, so dass jetzt eine neue Zeitrechnung beginnt.

Die 1. Marktreaktion ist oft sehr emotional, so dass politische Börsen meist kurzfristig die Börsen beeinflussen. Dennoch können sich diese Ereignisse auch längere Zeit negativ auswirken, falls damit Regierungswechsel verbunden sind, die einen wirtschaftlichen Nachteil mit sich bringen.

Es wird weiterhin Handel betrieben werden, auch wenn dies unter anderen Bedingungen/ Voraussetzungen stattfinden wird.

Größter Verlierer wird England sein.

Auf der anderen Seite entstehen auch neue Chancen und in unseren Augen ein enormer Reformdruck auf Seiten der EU. Nahezu alle von uns in Ihren Depots eingesetzten Investmentfonds haben sich recht gut gehalten. Und die wichtigste Botschaft zum Schluss: die jetzige Lage ist nicht annähernd mit der Zeit von 2008 vergleichbar. Die Börsen werden vermutlich in den nächsten Tagen stark schwankend bleiben.

Wenn Sie einen aktuellen Gesprächsbedarf haben, rufen Sie uns bitte an. Wir werfen einen schnellen Blick in Ihr Depot und geben Ihnen einen Überblick.